Home About Impressum Links Login ! Archiv !
Suche:
I'm right while writing.


Druckversion
(Mehr Platz für Text!)

Oha   -   Donnerstag, 04.03.10                              Noch keine Bewertung! - bewerten
Kälte
- 0 Kommentare          - Visits: 83
Da saß dieser einsame Tropf nun, umgeben von Leuten auf einer sogenannten Party. Einweihung einer WG, deren neue Bewohner er allesamt kannte und und am liebsten nicht gekannt hätte. In einem Kreis saßen da Bekiffte, Besoffene, Nüchterne. Und sie redeten über Quark. Wortwörtlich. Ihr Gespräch, mit welchem zerhächselten Gemüse und Gewürzen Speisequark am besten zu kombinieren sei, erstreckte sich zwar schon über fast eine Stunde, war aber eigentlich das Sinnvollste, was er an diesem Abend gehört hatte. Der Grund, warum der einsame Tropf namens Clemens, sich nicht schon lange aus dem Staub gemacht hatte, war, dass er sozialen Zusammenkünften doch einen gewissen Stellenwert in seinem Leben einräumen wollte und – ehrlich gesagt, es eh nirgends etwas anderes als Dummheit gibt. Atemberaubend schnell hatte er sich mithilfe diverser Spirituosen einen handfesten Rausch angetrunken, denn er glaubte, auf diese Weise könnte er früher oder später darüber lachen, was sich hier abspielte. Aber: „Naja also ich mach das auch gerne mit Paprika, und dann ein bisschen Tomatenmark rein – ja und dann halt Pfeffern und Salzen und dann ist es eigentlich schon fertig. Und nicht so viel von der Tomate. Achja und der Unterschied zu dem von dir ist hauptsächlich, dass ich das mit der Zitrone nicht mache. Ich mag sauer nicht. Also, hè, sauer sein mag ich eigentlich... ja eigentlich auch nicht, aber das hab ich nicht gemeint.“
Jetzt mal was anderes: Lass uns mal demnächst Blätterteigtaschen machen.“
„Donnerstag kann ich nicht.“
„Hm, am Samstag hab ich schon was vor.“
„Ich kaufe einfach schonmal Blätterteig, können wir ja dann sehen.“
Clemens schauderte. Vor seinen Augen veränderten sich die Gesichter der Sprechenden. Nach und nach verwandelten sie sich – aus Individuen wurden Menschen – also Affen, die die vernichtende Fähigkeit der Sprache erlernt hatten. Und obwohl sie in der Lage waren, grammatisch korrekte Sätze und Worte zu bilden, wurde, was sie sagte zu einem flachen, immergleichen Brei, der dem von ihnen beschriebenen Quark nicht unähnlich schien.
„Ich hab gelesen, dass der Sozialstaat scheiße ist, weil wir zu viele Ausländer aus niederen Bildungsschichten aufgenommen haben.“
„Was hat das jetzt damit zu tun?“
„Naja wir hängen ja auch irgendwie vom Sozialstaat ab, oder nicht? Mit Bafög und so...“
„Nur noch ganz kurz: Petersilie!“
„Wie kannst du nur sowas sagen, da kannste ja gleich wie in den USA!“
„Ach, nur weil sich niemand traut, mal die Wahrheit zu sagen.“
„Hab ich doch gerade.“
„PETERSILIE?!“
„Du willst nur immer recht behalten.“
„Auf jeden Fall gibt es Vietnamesen, die im Schnitt bessere Noten haben, als Türken. Also in Deutschland!“
„Ach hör doch auf mit dem Scheiß, das nervt. Immer alles plattreden!“
Der Raum verdunkelte sich. Tiefe Schatten warfen sich über die Augen dieser – würg – Menschen, so dass sie aussahen, wie sich hektisch bewegende Körper mit monsterhaften Schädeln. Ausgesandt, um Clemens zum Wahnsinn zu treiben, ihn zu zerfetzen. Eines der Viecher beugte sich vor: „BRÖEEEAAA“, machte es, „WOASISDNMITIALOSNOMITAINERFROINDINSAMMEN?“
Clemens wich zurück, presste sich so tief er konnte in das Kissen der Couch. Jetzt wanden sich weitere Bleedioten zu ihm um. Das Viech von vorher verzog seine Fratze zu einem Grauenvollen Grinsen. „SCHTUDIADONIX!“
Der arme einsame Tropf schrie auf, stieß seine Sitznachbarn von sich weg und machte einen Satz in Richtung des Zimmerausgangs. Wilde Lichtpunkte tanzten um ihn herum in der Finsternis des Raumes, tauchten die Schädel und Körper in verschiedenfarbiges Licht. Doch in der Tür stand auch einer, mit einem Tablett voller Flaschen: „NIXDAMIdABKAGNDUGESNICH!SDOCHVOLUSTICH!“, grunzte er ihm, ebenfalls fürchterlich lachend entgegen. Clemens kauerte sich in die Zimmerecke und schluchzte laut auf. Dann brach er erweinend zusammen, die Arme zum Schutz vor den Kopf streckend. Bebend und zitternd und leise Flüche vor sich hinmurmelnd gab er sich seinem Schicksal hin. Er wollte sich vor diesem Albtraum verstecken, davor fliehen. Das Tablettmonster beugte sich zu ihm hinunter. Er wandte seinen tränenüberlaufenen Blick ab. Eiseskälte.





Kommentar verfassen

Nick: Email: Homepage:


Kommentare

Seite

[Keine Kommentare vorhanden]


Eigene Kunstwerke? Texte, Bilder, Musiks, Wasauchimmers sind zu schicken an: kniesehnen@reflexx.org!
© 2007-2010 Ossian Hain, Phillip Horch